Wer (so wie ich) zu Hause noch eine gut sortierte Schallplattensammlung sein eigen nennt, aber noch nicht so ganz weiß, wie er damit im digitalen Zeitalter umgehen soll, dem kann hier (vielleicht) geholfen werden.
In Zeiten von USB-Vorverstärkern und “Reinigungs-Softwares” für die Klickgeräusche und das Staubknistern könnte man fast meinen, dies seien Allheilmittel.
Ich will im Folgenden einfach mal beschreiben, wie ich beim digitalisieren meiner Vinyl-Schätze so vorgehe. Ach ja, und für alle Besserwisser: Die Privatkopie nicht kopiergeschützten Materials ist selbstverständlich nach wie vor erlaubt. Neues Urheberrecht hin oder her.
Zunächst einmal gilt es zu klären, was überhaupt digitalisiert werden soll und muss. Viele LPs stehen schon längst in der “digital-remastered”-Version als CD im Regal, und unzählige mp3s tun ihr Übriges zur Übersicht in der Musiksammlung.
Schritt 1 – die Sichtung
Nachdem man sich einen groben Überblick verschafft hat, was man denn da überhaupt so alles besitzt, geht es ans Sortieren: Jede Platte sollte möglichst ihr Cover besitzen, denn das macht die Sortierung später deutlich einfacher – Der Mensch erinnert sich zwar auch an Buchstaben und Worte (Also Künstler und Titel des Albums oder der Single), aber ein gutes Cover prägt sich viel deutlicher ins Gedächtnis ein. Wer kennt nicht Mike Oldfields legendäres “Tubular Bells”-Cover? Da iTunes später die Möglichkeit bietet, über den CoverFlow in der Musiksammlung zu navigieren, digitalisiere ich zunächst auch nur solche Werke, von denen ich nicht nur die Platte, sondern auch die Hülle finde.
Schritt 2 – die Vorbereitung des Equipments
Digitale Nachbearbeitung ist ja schön und gut, aber den meisten Ärger kann man sich von vornherein ersparen, indem man einige Fehlerquellen ausschließt. Ein USB-Vorverstärker ist zwar toll, aber er verstärkt viel zu viel mit: beispielsweise das Grundrauschen. Weiteres Problem: Je länger das Audiokabel, desto größer dessen Eigenwiderstand, also auch desto mehr Störgeräusche. Meine Abhilfe dagegen: Vorverstärker in die Tonne, Plattenspieler direkt per Cinch-Adapter an den Line-In. Das Signal wird später über die Software verstärkt, nachdem das Rauschen beseitigt wurde. Qualitätseinbußen nahe Null.
Schritt 3 – die Reinigung
Und natürlich kommt es bei der Beseitigung von Störgeräuschen nicht nur auf elektrische Widerstände an. Wie bereits erwähnt: das Knistern und Knacken entsteht durch die Sprünge der Plattennadel, wenn sie auf ein Staubkorn trifft. Was tun? Richtig, die Platte putzen. Ich greife dafür zu Flachbildschirmreiniger aus dem Supermarkt-Putzmittel-Regal. Der hat den Vorteil, dass die Platte danach antistatisch ist, also auch für eine Weile keinen neuen Staub anzieht. Wichtig: Entgegen der Spielrichtung wischen!
Schritt 4 – die Aufnahme und der Schnitt
CDs haben einen unbeschreiblichen Vorteil gegenüber Vinyl – Will man eine CD digitalisieren, dann geschieht dies a) unglaublich schnell, weil ja schon Daten eingelesen werden können, und b) ist die Spielzeit automatisch schon in “Tracks” zerlegt. Das ist natürlich bei Schallplatten nicht so – wer hätte das gedacht. Ist der Plattenspieler angeschlossen, öffne ich Audacity und klicke in einem neuen Projekt auf “Aufnahme”. Wenn die erste Seite der Platte aufgenommen ist (Single: ca 5, LP ca 20-25 Minuten), geht es ans Schneiden. Bereits jetzt den “großen” Track zu zerteilen bringt den Vorteil mit, dass die spätere Nachbearbeitung genauer abläuft. Eine Platte hat ja nicht überall die selben Macken. Das Schneiden geht in Audacity relativ einfach, markierte Bereiche werden einfach in eine neue Stereo-Tonspur verschoben.
Schritt 5 – Die Nachbearbeitung
Das Programm bietet verschiedene Werkzeuge zur einfachen, aber qualitativ hochwertigen Nachbearbeitung am PC. Zunächst einmal wird die Aufnahme ein wenig verstärkt (Markieren, dann im Menü auf Effekte -> Verstärken). Anschließend wird ein Bereich ohne Ton, nur mit dem Grundrauschen markiert und das Rauschprofil ermittelt. Dieses Grundrauschen wird nun über den entsprechenden Effekt aus dem gesamten Track gerechnet. Danach wird nochmal verstärkt, diesmal um etwa 4 dB, danach wird “Bass Boost” mit 10 dB auf 160Hz angewendet, um den Line-In-Eingang zu kompensieren, es folgt eine erneute Rauschentfernung. Jetzt wird nochmal verstärkt, sodass die Spitzenamplitude bei -0dB liegt und es folgt als letztes noch ein Bass Boost bei 360 Hz mit 4-8 dB.
Am Ende wird alles beschriftet (mit ID3-Tags) und mit dem LAME-Audio-Codec als mp3-Datei exportiert.
Schritt 6 – iTunes
Wenn die Dateien exportiert sind, können sie in iTunes zur Mediathek hinzugefügt werden. Mit etwas Glück findet iTunes nun automatisch das passende Cover, ansonsten muss es von Hand eingefügt werden.
Entweder man sucht es sich aus dem Netz, oder aber reproduziert den 12″-Sleeve oder legt die Single-Hülle auf den Scanner.
Fertig ist die Laube!
Wie immer viel Spaß beim Nachkochen!
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