Ich bereite gerade Unterricht zum Thema Großschadenslagen / Behandlungsplatz-50 vor und bin bei der Recherche in einer Bestückungsliste der vom Land NRW beschafften Gerätewagen-Sanitätsdienst auf folgende Postenbeschreibungen gestoßen:
[...]
Mullbinden 10 cm – 3 Stk.
Rettungsdecke, gold/silber, Polyesterfolie, aluminiumbedampft, 160×210cm, zusammengelegt auf das Format 11×15cm, einzeln verpackt im Folienbeutel - 1 Stk.
Dreiecktücher – 2 Stk.
[...]
Und wehe, die Decke ist nicht auf 11×15 gefaltet oder einzeln Verpackt. Dann kommt die Bezirksregierung aber schimpfen. Willkommen in Deutschland.
…derzeit haben auch nicht wenige andere Leute das Bedürfnis, sich das Essen ein zweites Mal durch den Kopf gehen zu lassen. So sieht es zumindest im Rheinland aus, wo gestern mit Weiberfastnacht die Hochsaison von Karneval ‘10 eröffnet wurde.
Dieses Jahr habe ich es mir angetan, bei einem Zug in unserer schönen Nachbarstadt sanitätsdienstlich mitzumachen. Im übrigen werden meine nächsten Tage ähnlich aussehen.
Das folgende Video ist nicht etwa, wie böse Zungen behaupten würden, eine Image-Kampagne fürs DRK, und es ist auch kein Fake, wie manche sicher einwerfen werden, das lief tatsächlich so über die Fernsehschirme. Und ich bekomme das kalte Grausen. Ulf hatte ja schonmal angedeutet, dass es sinnvoll ist, Schülern Erste Hilfe nahe zu bringen, aber dann doch auch bitte richtig. Interessant auch, dass kein Arsch Redakteur vorher prüft, ob die Aussagen denn so auch stimmen. Eine zweite Meinung schadet ja bekanntlich nie. Zumal die Lehraussagen der Arbeitsgemeinschaft Erste Hilfe auch sicher über Google zu finden sind.
Der “Kranke Pfleger” bat mich gerade per Mail, mir mal seine Petition anzuschauen und bei Interesse ein wenig Werbung dafür zu machen.
Viel zu wenige Menschen sind wirklich bereit und in der Lage, in Notfällen Erste Hilfe zu leisten – dabei sind die meisten Maßnahmen nicht einmal schwer, es braucht eben “nur” jemanden, der die Courage hat, auch wirklich zu helfen. Aber davon gibt es zu wenige. Es wurde vorgeschlagen, in den Schulen regelmäßig Erste Hilfe als Pflichtprogramm zu unterrichten und mindestens jährlich für jeden Schüler aufzufrischen…prima Gedanke, wie ich finde!
Über diesen Ansatz lässt sich sicher auch noch einmal über die Gewalt(bereitschaft) an Schulen nachdenken, und darüber, ob dieses Unterrichtskonzept nicht ein Ansatz wäre, so etwas einzudämmen.
Bildung ist aber in diesen Belangen Ländersache, und für die einzelnen Landtage gibt es so ein schickes Online-Portal, über das sich Petitionen mitzeichnen lassen, leider noch nicht. Es ist also auch ein bisschen eure Initiative gefragt! Schreibt an euren Landtagsabgeordneten und verbreitet dieses Anliegen!
“Text der Petition
Der Nordrhein-Westfälische Landtag möge beschließen, daß Schülerinnen und Schüler frühzeitig, jährlich und altersangepaßt in Erster Hilfe und lebensrettenden Sofortmaßnahmen unterwiesen werden. Dies schließt auch das Erkennen von Notfall- und vergleichbaren Situationen ein. Die Fertigkeiten werden von Jahr zu Jahr wiederholt und ausgebaut, bis ab etwa der 10. Klasse auch Herz-Lungen-Wiederbelebung behandelt wird.
Begründung
Es gibt zu wenig Ersthelfer. Viele Menschen sterben allein deshalb, weil zu wenig Erste Hilfe geleistet wird, ob aus Schaulust, Angst oder Unvermögen. Selbst Autofahrer, die zur Erlangung der Fahrerlaubnis einen derartigen Kurs nachweisen müssen, sind dazu selten in der Lage. Mit frühzeitiger und altersgemäßer und wiederholter Heranführung an die Kompetenzen, Notfälle zu erkennen und seinen Fähigkeiten entsprechend zu handeln, würde die Selbstverständlichkeit Erster Hilfe verinnerlicht. Zudem würde dadurch der Inhalt im Ernstfall besser abrufbar.”
Das folgende Video hat einen, ich zitiere das mal aus einer kürzlich gelesenen Filmrezension, “fetten Ach-du-Scheiße-Effekt“. Warum so etwas über die Fernsehbildschirme geflackert ist, möchte ich ehrlich gesagt nicht wissen. Ich persönlich habe es mir in den Favoriten abgelegt und werde wohl künftig Ausschnitte daraus zu Schulungszwecken verwenden.
Und ich kann jedem Studenten nur raten, mal ein paar Wochen Famulatur in der Anästhesie bzw. auf Intensiv zu machen. So etwas wie hier gezeigt, muss nicht sein.
Ach ja: Es geht mir nicht darum, irgendwen “vorzuführen”. Das ist vermutlich hier alles nur beispielhaft, Assistenzärzte werden überall ins kalte Wasser geworfen, und niemand erwartet, dass man als Berufsanfänger gleich “perfekt” ist.
Aber, wie hat es Christian vor Kurzem so schön gesagt, der mir auch dankenswerterweise den Link gegeben hat:
“Also, Reanimieren solltest du schön können, denn letzten Endes läuft es ja doch immer darauf hinaus.”
Ist es zuviel verlangt, sich die Hände zu waschen, wenn man(n) vom Klo kommt? Wenn man den Müll rausgebracht hat? Oder bevor man mit Lebensmitteln hantiert, die man sich danach in den Mund stopft? Ist es so ungewöhnlich, einmal am Tag, oder wenigstens regelmäßig, eine Dusche aufzusuchen und zu benutzen? Sich den Dreck unter den Fingernägeln zu entfernen, diese bei Zeiten zu kürzen, oder Speisereste zwischen den Zähnen zu beseitigen, bevor man mit jemandem spricht?
Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass mir aus dem eigenen Freundeskreis regelmäßig aufs Brot geschmiert wird, ich hätte einen Hygiene-Fimmel. Ich dachte eigentlich, die Punkte, die ich oben erwähnte, würden irgendwann einmal zur gesellschaftlichen Konvention. Oder würden zumindest in den Kreisen, in denen ich mich bewege, bereits zu einer solchen stillen Vereinbarung gehören.
Ich sehe völlig ein, dass es Situationen gibt, in denen man bei der persönlichen Hygiene Abstriche machen muss. Aber wir befinden uns hier doch nicht in einem permanenten Outdoor-Urlaub oder Survival-Trainingslager. Und selbst da kann man auf ein Mindestmaß an Sauberkeit achten. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von verschiedenen Menschen tatsächlich ist.
Wie gesagt, der Text stammt hauptsächlich von der Hypnosekröte, die Zeichnungen von mir.
Über Ergänzungen bin ich trotzdem dankbar!
Allgemeines:
Unterstützt oder behindert das Anästhesie-Team so gut er kann.
Lernt Basisfähigkeiten der Intensivmedizin, die er aufgrund der Gesetzeslage in Deutschland nie wieder anwenden darf.
Freut sich wie Bolle, wenn man ihn intubieren lässt.
Hauptauftrag:
zuhören, nix kaputt machen
auf die Zähne achten
Schlüssel zum Intercostalraum suchen,
um dort neue AV-Blöcke zu holen
Wie schon an andererStelle erwähnt, basiert der Text auf einer (leider im Datennirvana verschollenen) Veröffentlichung der “Hypnosekröte“, von mir stammen lediglich die zeichnerische Umsetzung und einige kleinere Ergänzungen. “Monsterdoc” hat auch etwas sehr schönes dazu geschrieben.
Allgemeines:
Bester Freund des Patienten, denn er sorgt für Schmerzfreiheit und süße Träume. Auch “Gasmann” genannt.
Natürlicher Feind des Chirurgen – ist laut Chirurg grundsätzlich an allem schuld, was im OP nicht klappt.
Existiert in exakt zwei Aktivierungszuständen und kann binnen Millisekunden dazwischen umschalten: prä-komatös und prä-panisch.
Hauptaufgaben:
Narkose machen, sich im entscheidenden Moment von der Anästhesiepflegekraft wecken lassen
…und dem Patienten geht es auch zunehmend besser. Wir erinnern uns: Eine Blinddarm-OP wurde erfolgreich überstanden und der junge Patient bereits auf die Normalstation im dänischen Nykoping verlegt. Kaum ist er auf der Station, geht es auch schon wieder Richtung Sommerlager zurück. Das stellt sicher auch wieder einen krassen Unterschied zum deutschen Gesundheitssystem dar, wo ein Patient nach einer Blinddarmentfernung vermutlich keine 20 Stunden nach der OP “gesund” entlassen wird. Dass es dem Patienten trotz allem noch nicht bombig geht – was ja auch nicht weiter verwunderlich ist -, nimmt man in Kauf. Aber wenn man ehrlich ist: Was die können, können wir auch! Patienten überwachen und regelmäßig alles mögliche überprüfen; auch die Ruhe wird nicht zu kurz kommen, da wir in unserem “Ferienparadies” den Sani-Raum auch mit Schlafmöglichkeit ausgestattet haben.