Artikel-Schlagworte: „Gymnasium“

Schülerstreik: Bonn versinkt im Chaos

Sven Funke | Mittwoch, 17. Juni 2009

Momentan ist der Bahnverkehr auf den Linien 66, 62 und 61 über die Kennedy-Brücke völlig lahmgelegt, wie ich eben auch leidvoll erfahren durfte.

Der (diesjährige?) “Bildungsstreik”-Mob zieht durch die Straßen. Na Klasse.

Worum geht’s?

Im vergangenen Oktober hatten sich zum ersten Mal bundesweit über 100.000 Schüler in dutzenden großen Städten getroffen, um für ein besseres, gerechteres Bildungssystem zu demonstrieren – und gleichzeitig dem Unterricht fernzubleiben.

Diese Woche, heute, gibt’s die Neuauflage dieses einmaligen Erfolgsrezepts. In Bonn ziehen zwischen 3000 und 4000 Schüler (angeblich auch Studenten) durch die Straßen.

Das Streikkomitee fordert:

  • Abschaffung des Abiturs nach 12 Jahren (G8)
  • Kleinere Klassen
  • Abschaffung der Kopfnoten
  • Abschaffung der zentralen Abschlussprüfungen und Vergleichsarbeiten
  • Neuordnung des Schulsystems: “Eine Schule für Alle statt Aussortiern in Gymnasiasten, Real-, Haupt- und Sonderschüler”
  • Abschaffung der Studiengebühren

So weit, so wundervoll. In diesem Jahr hat man das Projekt in “Bildungsstreik” umgetauft, offenbar, um zusätzlich noch Studenten und Auszubildende ins Boot zu holen und den Forderungen dadurch mehr Gewicht zu verleihen.

Interessant dabei: studentische und politische Verbände haben sich in Bonn und dem gesamten Umland gegen den Streik ausgesprochen. Offenbar hat sich aber niemand der Organisatoren ernsthaft die Frage gestellt, warum eigentlich!

Ich möchte hier niemandem das Recht auf seine freie Meinungsäußerung absprechen, schließlich mache ich ja auch gerade davon Gebrauch. Die freie Äußerung der eigenen Meinung setzt aber voraus, dass man denn eine besitzt, also mündig genug ist, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Aus der (zugegeben flüchtigen) Beobachtung der streikenden Massen im Vorbeigehen eben habe ich zum überwiegenden Teil geschätzt 12- bis 14-jährige bezahnspangte Kiddies gesehen, die den Tag genutzt haben, um cool durch Bonn zu ziehen und den eigenen Unterricht ausfallen zu lassen – jedenfalls muss es einem außenstehenden Beobachter so vorkommen.

Gegen 16.30 soll auf dem Münsterplatz die Abschlusskundgebung vollzogen sein. Ich überlege momentan noch, ob ich die selbst verfolgen werde, um zu sehen, inwieweit die Herren Organisatoren überhaupt in der Lage sind, ihre Forderungen und Ansichten selbst zu formulieren.

Ich habe kein Verständnis dafür, dass Schüler für eine derartige linkspopulistische Scheiße instrumentalisiert werden und sich auch noch instrumentalisieren lassen! Diese Demonstration zieht sich selbst durch die Absurdität ihrer eigenen Forderungen ins Lächerliche. Selbst der AStA hat sich in Bonn mehrfach deutlich gegen die Demonstration ausgesprochen, und das, obwohl selbstverständlich viele Studenten unter den Studiengebühren zu leiden haben, und die Universitäten überall noch unvorbereitet auf den drohenden Ansturm der G8- und gleichzeitigen nicht-G8-Abiturienten sind.

Ich möchte ausdrücklich jeden warnen, sich selbst auf dieses dünne politische Eis zu bewegen, das die Demonstranten unter ihren eigenen Füßen haben. Es ist sinnvoller, sich selbst “richtig”, d.h. konsequent und mit vertret- und verfolgbaren Zielen politisch zu engagieren, als sich für undurchsichtige, populistische Manipulationen einspannen zu lassen, deren einziges Ziel es ist, zu stören.
Dadurch wird nichts bewegt, im Gegenteil!

(vgl. hierzu auch den Artikel “Demonstranten ziehen über Oxfordstraße”, General-Anzeiger, Ausgabe BN, Seite 15, vom 17.06.09 – David hat Recht!)

Ach ja: Von Zeit zu Zeit muss sogar ich, der ich ansonsten eher ein unpolitischer Zeitgenosse bin, meinen Senf hierzu abgeben. Meine Äußerungen bilden dabei durchaus eine Diskussionsgrundlage. Wer damit nicht einverstanden ist, dem steht es frei, den Blog nicht weiter zu lesen.